Ich spüre es in vielen Begegnungen: Unsere Gesellschaft steht unter Spannung. Meinungen verhärten sich und das Trennende scheint oft stärker zu sein als das Verbindende. Gerade dann bewegt mich die Frage: Wie steuern wir dagegen – wie kann Gemeinschaft neu wachsen?
In meiner Tätigkeit als Kantonsrat erlebe ich immer wieder intensive, manchmal auch hitzige Debatten. Und ja, ich habe mich dabei auch schon über mein politisches Gegenüber geärgert. Wenn Überzeugungen aufeinanderprallen, wenn Worte verletzen oder Positionen unverständlich erscheinen, fällt das Miteinander nicht leicht. Aber oft kommt nach dem Ärger auch die Einsicht: Es geht nur miteinander.
Denn Politik bedeutet für mich Verantwortung für das Zusammenleben von uns Menschen. Im Parlament sitzen Frauen und Männer mit ganz unterschiedlichen Lebensgeschichten, Erfahrungen und Weltanschauungen. Das macht die Arbeit nicht einfacher. Aber gerade darin liegt ein tiefer Wert: Was ich allein nicht sehe, erkennt vielleicht der andere. Was mir fremd ist, gehört dennoch zur Wirklichkeit unseres Landes. Erst im Miteinander entsteht ein vollständigeres Bild.
Als Christ glaube ich, dass dieses Miteinander mehr ist als eine gesellschaftliche Notwendigkeit. Es ist ein Auftrag. Nicht zufällig beginnt unsere Schweizer Bundesverfassung mit den Worten: „Im Namen Gottes, des Allmächtigen“. Für mich ist das keine leere Formel, sondern eine Erinnerung daran, dass politische Verantwortung vor Gott steht. Und dass unser Handeln sich an dem orientieren soll, was dem Menschen dient. Im Zentrum des christlichen Glaubens steht für mich die Nächstenliebe. Jesus Christus formuliert sie in einer ebenso einfachen wie radikalen Weisung: „So, wie ihr von den Menschen behandelt werden möchtet, so behandelt sie auch.“ Diese goldene Regel begleitet mich auch in der Politik. Sie fordert mich heraus, wenn ich innerlich auf Distanz gehe. Sie korrigiert mich, wenn ich vorschnell urteile. Und sie erinnert mich daran, dass auch der Mensch mit einer ganz anderen Meinung mein Nächster ist.
Gemeinschaft neu zu denken, beginnt im Herz. Bin ich bereit, wirklich zuzuhören und dem anderen mit Respekt zu begegnen? Lassen wir uns weiter auseinanderdividieren — oder suchen wir neu, was uns verbindet? Als Christ glaube ich: Hoffnung wächst dort, wo Menschen einander nicht aufgeben. Zukunft entsteht dort, wo wir uns von Gottes Liebe prägen lassen und sie im Alltag weitergeben.
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