Die Ohren nicht hängen lassen

Wir leben in herausfordernden Zeiten. Es scheint, als greife die Unsicherheit auch in unserer vermeintlich so sicheren Schweiz zunehmend um sich. Die brutalen Kriege und Konflikte in aller Welt mit unzähligen von Toten und Flüchtenden lassen uns nicht kalt. Das Verhalten der Weltmächte ist unberechenbarer geworden. Die Demokratien sind weltweit unter Druck, die wichtige Funktion der Medien als einstige vierte Gewalt im Staat bröckelt. Der Klimawandel fordert uns heraus und die Umstellung auf erneuerbare Energien geht nicht nur in der Schweiz viel zu langsam. Stark spürbar ist auch die Teuerung: Steigende Mieten, Hypothekarzinsen, Energiekosten, Mehrwertsteuer, Krankenkassenprämien… Die Aussichten auf die Zukunft der Altersvorsorge sind unsicher. Und mir scheint auch, uns Politikerinnen und Politikern falle es zunehmend schwerer, mehrheitsfähigen Lösungen zum Durchbruch zu verhelfen – polarisierende Extrem-Positionen werden in den sozialen (was für eine Bezeichnung!) Medien abgefeiert, sachliche und lösungsorientierte Kompromisse kommen unter die Räder.

Ein Zitat des berühmten Schweizer Theologen Karl Barth (1886-1968) hat mich angesprochen und mich aus diesen eher pessimistischen Gedanken herausgeholt. Sein Fazit am Ende seines Lebens lautete: «Ja, die Welt ist dunkel. …. Nur ja die Ohren nicht hängen lassen! Nie! Denn es wird regiert, nicht nur in Moskau oder in Washington oder in Peking, sondern es wird regiert, und zwar hier auf Erden, aber ganz von oben, vom Himmel her!»

Damit Sie mich nicht falsch verstehen: Gemeint ist nicht eine weltfremde Jenseitsvertröstung. Karl Barth engagierte sich in seinem Leben sehr konkret in den Krisen seiner Zeit: So wandte er sich gegen Theologen, die den ersten Weltkrieg unterstützten, rief im zweiten Weltkrieg zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus auf, setzte sich nach 1945 aber auch für die Versöhnung mit den Deutschen ein. Er lebte Engagement statt Weltflucht – und er war verwurzelt im Wissen darum, nicht die höchste Instanz zu sein.

«Nur ja die Ohren nicht hängen lassen»: Das wünsche ich Ihnen und mir – für unser Miteinander in unserer Gesellschaft und ganz persönlich – und viel Mut, die nächsten Schritte in die Zukunft zu wagen!

Hanspeter Hugentobler, Kantonsrat und Schulpräsident/Gemeinderat (EVP), Pfäffikon ZH (Dieser Beitrag erschien am 20. März 2024 in der Rubrik „Tribüne“ im Zürcher Oberländer)

 

 

Kommentar verfassen