Kirche ist für andere da…

«Kirche ist für andere da»…
…schreibt Kirchenratspräsident Michel Müller im Vorwort des Jahresberichts der reformierten Kirche des Kanton Zürich. Und er meint damit die Zehntausenden von Kirchenmitgliedern, die zwar für sich gerade keine kirchlichen Angebote in Anspruch nehmen, die aber sagen: «Aber für andere ist Kirche wichtig, und das will ich unterstützen!» Ich freue mich, in einem Land, und ganz besonders in einem Kanton zu leben, in dem solche Solidarität gelebt wird. Für andere da sein – dazu rief schon der Zürcher Reformator Zwingli auf – Gemeinwohl vor Privatwohl war seine Forderung, und er war gewissermassen der Gründer des städtischen Sozialamtes. Und auch 500 Jahre später zeigen die Stimmberechtigten des Kantons Zürich ihre Solidarität – sei es mit ihren persönlichen Kirchensteuern und Spenden oder mit ihrem klaren Ja zu Kirchensteuern für Unternehmen. Allen pessimistischen Einschätzungen zum Trotz: Zürcherinnen und Zürcher sind auch im 21. Jahrhundert solidarisch, und sie unterstützen Kirchen und Organisationen, die für andere da sind.

Dass die Kirchen für andere da sind, das zeigen die Jahresberichte eindrücklich! Egal ob ich den Jahresbericht der reformierten Kirche, der katholischen Kirche, der christkatholischen Kirche, der israelitischen Cultusgemeinde oder der jüdisch liberalen Gemeinde aufschlage: Überall stosse ich auf eindrücklich Beispiele von «Für den anderen da sein». Von der Seelsorge und Begleitung in Spitälern, Gefängnissen und in Notfallsituationen; über Beratungsangebote für Lernende, für Arbeitslose, für Paare in schwierigen Situationen; bis hin zu Integrationsprojekten, besserer Verständigung durch interreligiösen Dialog, Flüchtlingshilfe, und gar weltweit engagierten kirchlichen Hilfswerke. Und dies alles im Sinne des passenden Slogans, den ich im Jahresbericht der katholischen Kirche gefunden habe: «Gott hat nur unsere Hände, um zu helfen».
Im Namen der EVP-Fraktion danke ich Ihnen als Vertretungen der Kirchen und jüdischen Gemeinden mit all ihren Zehntausenden von Mitarbeitenden und Freiwilligen ganz herzlich für Ihr Engagement auch im vergangenen Jahr!

A propos Engagement: Als Sprecher der einzigen evangelischen Volks Partei-Fraktion erlaube ich mir speziell an die Adresse der evangelisch-reformierten Landeskirche ein Lob auszusprechen für die gute Art und Weise, wie sie die Feierlichkeiten zum Reformationsjubiläum aufgegleist hat. Sie feiern mit einer grossen Vielfalt von Angeboten – vom Event mitten im Hauptbahnhof über den «Schattenwurf Zwingli» bis hin zum Smartphone-Game (re)format Z. Und sie tun das nicht nur mit Projekten der Landeskirche, sondern auch in unzähligen Angeboten in Zusammenarbeit mit dem Verein «500 Jahre Zürcher Reformation», zu dem wir als Kanton ja auch einen Beitrag aus dem Lotteriefonds gesprochen haben. Dabei arbeiten Sie mit grossen Institutionen Zürichs zusammen, und genauso mit freischaffenden Künstlern und Wissenschaftlern. Sie ziehen sich damit nicht auf innerkirchliche Betrachtungen zurück, sondern stellen sich der öffentlichen Diskussion und fokussieren sich auf die Auswirkungen der Reformation, die bis heute in unserer Gesellschaft zu sehen sind. Darin machen Sie etwas deutlich vom Mut der Reformatoren vor 500 Jahren: Auch sie zogen sich nicht ins Private oder ins Kirchenleben zurück, sondern stellten sich den aktuellen Herausforderungen ihrer Zeit. Und Sie handeln damit genauso, wie es auf der Karte stand, die mir am Reformations-Jubiläumstag, dem 31. Oktober, am Bahnhof in die Hand gedrückt wurde. Darauf steht: «500 Jahre quer denken, frei handeln, neu glauben – stets im Wandel: I like it!»

Zum Schluss noch ein Hinweis zum Titel unserer Debatte: Das aktuelle Traktandum trägt ja den fürchterlich umständlichen Namen «Beschluss des Kantonsrates über die Kenntnisnahme der Jahresberichte und den Nachweis der Einhaltung der negativen Zweckbindung der Kirchensteuern der juristischen Personen». Das tönt ja noch negativer und misstrauischer als der Abschlussbericht meiner geschäftlichen Revisionsstelle, die jeweils formuliert, dass sie bestätigen, dass sie «nicht auf Sachverhalte gestossen seien, aus denen sie schliessen müssten, dass die Jahresrechnung nicht dem Gesetz entspräche»… Vielleicht finden wir ja mal noch einen etwas positiveren und weniger misstrauisch-verknorzten Titel. Denn die neue Studie der Universität Zürich zeigt, welche enorme positive gesamtgesellschaftliche Bedeutung die kirchlichen Tätigkeiten haben: 86’366 Angebote gesamtgesellschaftlicher Bedeutung mit einem Wert von rund 62 Mio CHF werden von den Kirchen geleistet! Und die Uni-Studie kommt zum denkwürdigen Schluss: «Die erbrachten kirchlichen Tätigkeiten zuhanden der Gesamtgesellschaft leisten einen wertvollen Beitrag und sollten verstärkt weitergeführt werden.»
Da kann man nur sagen: Amen dazu!
Und dabei hoffen, dass wir uns im Kantonsrat auch noch in einem Jahr an diesen wertvollen Beitrag erinnern, der verstärkt weitergeführt werden sollte – dann nämlich, wenn es dann darum geht, über die künftigen Kirchenbeiträge zu beschliessen!

Votum in der Kantonsratssitzung vom 27.11.17 von Hanspeter Hugentobler, EVP, an die Vertretungen der Kirchen und anerkannten Religionsgemeinschaften anlässlich der Genehmigung der Jahresberichte 2016.

Weitere Infos zu meinen Vorstössen im Kantonsrat finden Sie unter: http://www.kantonsrat.zh.ch/Mitglieder/Mitglieder.aspx?PersonID=a4fdf66e-9376-4b4e-9728-f7df52f366a3

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