Der beste Beruf der Welt

Journalisten

Journalisten (Photo credit: Wikipedia)

„Journalismus ist der beste Beruf der Welt. Lernen Sie ihn, solange es ihn noch gibt“ – so das Fazit von Tages Anzeiger-Autor Jean-Martin Büttner in seiner Analyse über den Journalismus. Die Herausforderungen der neuen Medienwelt verändern das Berufsbild Journalismus. Gleichzeitig sind unabhängig arbeitende Journalistinnen und Journalisten für das Funktionieren einer freien Gesellschaft so wichtig wie nie zuvor.

Zu den Herausforderungen: Der Journalismusberuf ist unbeliebt. Manager, Politiker, Vereinspräsidenten und Kirchenleitungen verteilen bei schlechten Nachrichten gerne einer klar definierten Berufsgruppe den schwarzen Peter: „Die bösen Medien sind schuld“. Führungsprobleme werden zu Kommunikationspannen und Berichte über schlechte Entscheidungen werden als negative Berichterstattung abgestempelt. Nach einer Umfrage des langjährigen amerikanischen Stellenportals „CareerCast.com“ rangiert der Job des Reporters/Redaktors auf Platz 196 der Job-Hitliste. Zusammen mit dem Beruf des Radio- und TV-Moderators gehört der Medienberuf laut CareerCast.com in den USA damit zu den zehn unbeliebtesten Berufen – zusammen mit Soldaten, Bohrinsel-Arbeitern, Metzgern, Kellnern und Tellerwäschern.

Zu dieser schlechten Einstufung beigetragen hat sicher auch der in den vergangenen Jahren zunehmende Druck in der Medienbranche. Mit der Verlagerung vieler Informationen weg von den Zeitungen hin ins Internet sind den Zeitungsverlagen die Werbeeinnahmen und die Auflagenhöhen regelrecht zusammengebrochen. Immer mehr Menschen haben sich daran gewöhnt, dass Information im Internet und dank Gratiszeitungen kostenlos verfügbar sind. Die Verlage reagieren auf diesen Trend mit zusätzlichen Online-Angeboten und bauen gleichzeitig Personal ab, um Kosten zu sparen. Die verbleibenden Journalistinnen und Journalisten müssen in der gleichen Zeit Print- und Online-Medien füllen. Die Zeit wird knapper, vielen Medienschaffenden fehlt die Zeit, um Themen grundsätzlich zu recherchieren und Aussagen zu verifizieren. Statt des früheren täglichen Zeitungs-Redaktionsschlusses gibt mit den Online-Medien ein mehrmals täglicher Redaktionsschluss oder gar eine laufende News-Erneuerung den Takt an. Schnelligkeit geht vor Korrektheit. Wichtig ist, wer eine Neuigkeit zuerst online stellt, nicht wer die News-Meldung am gründlichsten recherchiert hat. Und bei manchen Zeitungen ist immer weniger die Frage entscheidend: „Ist das relevant für unsere Gesellschaft, für unsere Leser?“, sondern vielmehr: „Haben diese Story viele Online-Leserinnen und –Leser angeklickt? Dann drucken wir dies auch in der Zeitung ab…“

Dennoch: Journalismus ist der beste Beruf der Welt! In keinem anderen Beruf kann man so viele unterschiedliche Themen und Menschen kennenlernen wie im Journalismus – während der Arbeitszeit notabene. Neue Begegnungen, neue Orte, neue Gedankengänge – und jederzeit dürfen die Medienschaffenden Fragen stellen. Journalistinnen und Journalisten erhalten Einblicke, ordnen Zusammenhänge, übersetzen komplizierte Sachverhalte in allgemeinverständliche Alltagssprache, machen Verborgenes sichtbar. Und sie leisten damit einen entscheidenden Beitrag, dass unsere demokratische Gesellschaft funktioniert, denn nur informierte Bürgerinnen und Bürger, die auch über Hintergründe Bescheid wissen, können verantwortlich Entscheide fällen. Die „Erklärung der Pflichten und Rechte der Journalistinnen und Journalisten“ bringt es auf den Punkt: „Das Recht auf freie Meinungsäusserung und auf Kritik ist ein grundlegendes Menschenrecht. Journalistinnen und Journalisten sichern den gesellschaftlich notwendigen Diskurs.“

Als Leiter eines Medienunternehmens im Hauptberuf und als Lokalpolitiker im Nebenamt erlebe ich wechselnd sowohl die Rolle des Journalisten als auch des Politikers. Und ich gebe es gerne zu, dass ich mich als Politiker auch schon mal über Fragen von Medienschaffenden geärgert habe. Aber noch viel häufiger habe ich erlebt, dass Journalistinnen und Journalisten mir genau diejenigen Fragen gestellt haben, die für die Bevölkerung wichtig waren und von uns als Behörde zu wenig klar beantwortet wurden. Damit haben selbst in meinem lokalen Umfeld Medienschaffende genau ihre Funktion ausgeübt: Sie bringen mich als Volksvertreter zu einer nochmaligen Überprüfung meiner Aussagen und sie übersetzen diese in den Lebensalltag der Leserinnen und Leser und machen damit Politik genau zu dem, was sie in einem demokratischen Staat sein sollte: Wir gestalten gemeinsam unser Zusammenleben.

Darum: „Journalismus ist der beste Beruf der Welt. Lernen Sie ihn, solange es ihn noch gibt“. Ich bin überzeugt, dass es ihn noch lange geben wird.

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