Im Dienste aller

Bundestag, Foto privatIm letzten Sommer verbrachten wir als Familie Ferien in Berlin. In dieser Zeit nahmen wir an einer Familienführung durch den deutschen Bundestag teil. Nach der Sicherheitskontrolle wurden wir von einem Beauftragten für Öffentlichkeitsarbeit empfangen. Bevor die Führung durch den Bundestag startete, liess er uns alle im Foyer Platz nehmen und stellte die Frage in den Raum: „Wer interessiert sich für Politik?“ und: „Was ist eigentlich Politik?“
Kaum jemand wollte sich dazu äussern…

„Politik“: Viele Leute tun sich schwer damit. Wir ärgern uns über Beschlüsse der Politiker, wir sagen von ihnen, sie seien machthungrig, unehrlich und nur an ihrem eigenen Erfolg interessiert. Und immer wieder höre ich die spontane Aussage: „Politik ist eben ein Drecksgeschäft“. Politik und Staat haben für viele Menschen einen schlechten Klang – und doch interessieren sich viele von ihnen dafür. Vermutlich weil sie spüren: Politik hat trotz allem mit mir zu tun.

Der Leiter der Bundestags-Führung jedenfalls prägte nach einer spannenden Diskussion einen Satz, der mir seither mit seiner Klarheit und Einfachheit nachgeht: „Politik heisst: Wir regeln das Zusammenleben von uns Menschen“.

Der Staat ist dafür da, uns einen Rahmen zu geben, in dem wir miteinander leben können. Stellen wir uns vor, was passieren würde, wenn es diesen Rahmen nicht gäbe: Ohne staatliche Regeln könnte jeder tun, was er möchte und dabei seine persönliche Freiheit maximal ausleben – auf Kosten seiner Mitmenschen. Eine grauenhafte Vorstellung…

Es ist die Aufgabe von Staat und Politik, das gute Miteinander von Menschen zu fördern und ihnen so zu dienen. Aber das gelingt nur, wenn die Menschen diese Aufgabe des Staates akzeptieren und sich auch selbst dafür engagieren. Schon vor 2000 Jahren wurde darum in der Bibel im Titusbrief der Aufruf formuliert: „Erinnere die Christen daran, dass sie sich dem Staat und allen Regierenden unterzuordnen haben. Sie sollen die Gesetze des Staates befolgen und sich tatkräftig für die Menschen einsetzen.“

„Politik heisst: Wir regeln das Zusammenleben von uns Menschen“. Politik ist unsere gemeinsame Aufgabe. Denken Sie daran, wenn in Ihrer Gemeinde das nächste Mal Freiwillige für ein Behördenamt gesucht werden. Wir alle profitieren tagtäglich davon, dass das Zusammenleben in unserem Land durch Politik und Staat so hervorragend geregelt ist – jeder, schon Länder mit nicht funktionierender Staatsorganisationen bereist hat, wird dies dankbar anerkennen. Warum sollte ich von all dem Guten der Gemeinschaft nicht auch etwas zurück geben – zum Beispiel, in dem ich mich als Behördenmitglied zur Verfügung stelle?

Ganz ehrlich: Mitzuhelfen, das Zusammenleben von uns Menschen zu regeln, ist nicht immer einfach – aber es ist eine spannende Aufgabe, in der man viele wertvolle Begegnungen mit Menschen macht und auch selbst viel dazu lernt und Neues entdeckt. Ich persönlich habe es jedenfalls noch nie bereut, mich seit 13 Jahren in verschiedenen Behördenämtern zu engagieren. Probieren Sie es doch auch aus und stellen Sie sich bei den nächsten Kommunalwahlen für ein Behördenamt zur Verfügung. Sie werden positiv überrascht sein, wie befriedigend es sein kann, sich nicht nur um sich selbst, seinen Beruf, seine Weiterbildung und seine Familie zu drehen, sondern auch „das Zusammenleben von uns Menschen“ in Ihrem Dorf oder Ihrer Stadt in den Blick zu bekommen.

Ein Gedanke zu „Im Dienste aller

  1. Pingback: “Ich gelobe es…” | Hanspeter Hugentobler

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