Ich habe 528 Freunde

FBH

„Ich habe 528 Freunde“ – seit es die sozialen Internet-Netzwerke wie Facebook & Co gibt, erlebt der Begriff „Freunde“ eine Inflation. Man surft auf dem Internet durch Profilseiten von flüchtigen Bekannten, klickt die Schaltfläche „FreundIn“ hinzufügen und sobald die andere Person dies bestätigt hat – hat man einen „Freund“ oder eine „Freundin“ mehr.  Natürlich sind sich Facebook-Nutzerinnen und –Nutzer bewusst, dass „echte Freunde“ auch auf Facebook Freunde sein können, dass aber längst nicht alle Facebook-Freunde echte Freunde sind. Viele von ihnen sind gute oder flüchtige Bekannte oder einfach Menschen, die sich für mich in irgendeiner Form interessieren.Eine Studie von Mediapulse zeigt eine deutliche Zunahme des Medienkonsums in der Deutschschweiz: 461 Minuten Medien werden bei uns pro Tag Medien konsumiert – gegenüber 412 Minuten in den Jahren 2009/2010. Damit brauchen wir für den Konsum von Fernsehen, Radio, Internet und Zeitungen mit siebeneinhalb Stunden etwa gleich viel Zeit wie für unseren Schlaf. Der Medienpädagoge Thomas Merz von der pädagogischen Hochschule Thurgau meint dazu in der Zeitung „20Minuten“: „In diesem Ausmass bleibt zu wenig Raum für die Beziehungspflege, sportliche Aktivitäten, Hobbys und gesellschaftliches Engagement“. Medienkonsum als Beziehungskiller?Zu anderen Schlüssen kommt die JAMES-Studie, die bereits zum zweiten Mal die Mediennutzung und die Freizeitgestaltung von Jugendlichen untersucht. Zwar zeigt die Studie, dass Jugendliche zwischen 12 und 19 Jahren immer mobiler das Internet nutzen und täglich oder mehrmals wöchentlich via Smartphone im Internet surfen. Doch die JAMES-Studie kommt auch zum Schluss, „dass das immer grösser werdende Angebot an neuen Medien und die immer vielfältigeren Zugangsmöglichkeiten kaum einen Effekt auf die Freizeitgestaltung der befragten Jugendlichen haben. Immer noch geben 79 Prozent der Jugendlichen an, dass sie sich regelmässig mit Freunden treffen, Musik machen (32 Prozent) oder etwas mit der Familie unternehmen (20 Prozent). Alles nur halb so wild mit den Gefahren des Medienkonsums?

Ob der Medienkonsum zu Lasten echter Freundschaften geht, beantworten die erwähnten Studien also nicht. Und es liegt an uns zu entscheiden, wie viel Zeit wir für lose Bekanntschaften und für enge Freundschaften investieren. Eine oder wenige tiefe Freundschaften sind wichtig – das weiss schon der Schreiber der biblischen Sprüche: „Auf einen Freund kannst du dich immer verlassen, wenn es dir schlecht geht, ist er für dich wie ein Bruder“. Aber auch lose Beziehungen braucht es. Und vermutlich ist es im heutigen Online-Zeitalter entscheidend, eine gute Balance zwischen beiden zu behalten. Denn eigentlich ist es mit Facebook-Freundschaften wie mit den mehr oder weniger flüchtigen Kontakten, die man in einem Dorf pflegt: Sie tragen viel zur Geborgenheit in einer Dorfgemeinschaft bei, können aber die persönlichen und engen Freundschaften nicht ersetzen.

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