Wer Gott liebt, zahlt faire Löhne

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Kürzlich kam ich in einem Selbstbedienungsrestaurant einer grossen Gastronomiekette mit einem Mitarbeitenden ins Gespräch. Schon mehrmals hatte ich ihn beobachtet und erlebt, wie er mit grossen Einsatz hochmotiviert arbeitete. Immer wieder mal wechselte er ein paar freundliche Worte mit mir. Als ich ihn fragte, ob er Familie habe, berichtete er mir fröhlich von ihr. Aber das Geld sei manchmal schon knapp. Ich fragte nach und erfuhr dann, dass dieser hochmotivierte Mitarbeiter, der im Restaurant verschiedene Leitungsaufgaben zu übernehmen hat, nicht einmal 4000 Franken pro Monat verdient. Der Direktor habe ihnen am Jahresanfang einen Brief geschrieben, in dem er gejammert habe, dass die Ölpreise und die Warenkosten hoch und die Margen klein seien und darum keine Lohnerhöhungen möglich seien. Dabei habe doch dieser Direktor selbst einen grosszügigen Bonus beziehen können, meinte der Mitarbeiter…Nachdenklich ging ich aus dem Restaurant. Ich kenne die Betriebsrechnung der Restaurantkette nicht und weiss nicht, ob der Direktor wirklich mit einer schwierigen Betriebs-Situation zu kämpfen hat – oder ob er nur jammert, um die Löhne zu drücken und dadurch sein persönliches Gewinnziel zu übertreffen und einen grossen Bonus zu kassieren. Doch der Mitarbeiter tat mir leid: Er arbeitet von früh bis spät, er engagiert sich mit grossem Einsatz für seinen Arbeitgeber und trägt mit seinem treuen Engagement entscheidend dazu bei, dass Kunden wie ich den nötigen Umsatz generieren – und sein Arbeitgeber speist ihn mit weniger als 4000 Franken pro Monat ab, mit denen er seine Familie kaum durchbringt.

Im Buch der Sprüche in der Bibel findet man den Satz: „Wer Gott liebt, verhilft den Armen zu ihrem Recht; doch der Gottlose empfindet für sie kein Mitgefühl“. Ist das einfach ein schöner alter Spruch, der irgendwo in der Bibel steht? Oder hat er nicht auch uns heute noch etwas Konkretes zu sagen? Könnte man den Vers vielleicht sogar auf die heutige Situation anpassen: „Wer Gott liebt, zahlt faire Löhne“? Ich für mich habe mir als Chef jedenfalls auf die Fahne geschrieben, dass wir uns bemühen, trotz der knappen Mittel einer Nonprofit-Organisation faire Löhne zu bezahlen und statt Boni für die Chefs das Geld für Lohnanpassungen zu verwenden – und zwar gleichmässig verteilt auf alle Mitarbeitenden. Denn ich bin überzeugt: Wenn es um den Unternehmenserfolg geht, tragen alle Mitarbeitenden gemeinsam entscheidend dazu bei – oft haben die „Leute an der Front“ sogar eine direktere Wirkung als die Chefs. Und vor allem gilt für ein Medienunternehmen wie uns, dass den christlichen Glauben thematisiert, erst recht: Nur wenn die Liebe von Gott sich auch konkret im Alltag auswirkt, ist sie mehr als heisse Luft.

Wer Gott liebt, zahlt faire Löhne – wie sehen Sie das? Und wie hoch ist ein fairer Lohn?

Ein Gedanke zu „Wer Gott liebt, zahlt faire Löhne

  1. Die Wertschätzung, die mir in deinem Text entgegen kommt tut gut und ist sehr motivierend. Vielen Dank.
    Wie hoch ein fairer Lohn ist, ist schwierig zu sagen. Welche Leistung hat welchen Wert? Wie und nach welchen Kriterien soll körperliche, geistige, kreative Leistung gewertet werden?
    Persönlich empfinde ich meinen Lohn als fair, auch wenn ich – wäre ich beim Staat geblieben – heute sicher mehr verdienen würde :-). Wobei ich festhalten muss, dass ich den Wechsel zu keinem Augenblick bereut habe.

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