Das Schweizervolk will einen vereinheitlichten Lehrplan

pfaeffikon_280815_hugentobler_sip-1Viele Eltern kennen das Problem: Solange man Kinder im Schulalter hat, sollte man gar nicht erst überlegen, zum Beispiel aus beruflichen Gründen den Kanton zu wechseln. Zu gross sind die Unterschiede im Bildungswesen – Schulsystem, Eintrittsalter, Schuldauer und Lehrplan regelt jeder Kanton selbst. Dass dieser Zustand angesichts der hohen Mobilität in der heutigen Berufswelt unhaltbar sei, war für das Schweizer Volk sonnenklar: Mit einer überwältigenden Zustimmung von 86% gaben die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger in der eidgenössischen Volksabstimmung vom 21. Mai 2006 den Auftrag, das Schweizer Schulsystem zu harmonisieren. Der Kantönligeist sollte zu Gunsten einer zukunftsorientierten Bildung unserer nächsten Generation einen Schritt zurücktreten.

Heute liegt der Lehrplan 21 vor. Alle 21 deutsch- und mehrsprachigen Kantone beteiligten sich an der Erarbeitung. 200 Fachleute in verschiedenen Fachteams – je zur Hälfte Lehrerinnen und Lehrer aus der Schulpraxis und Didaktik-Fachleute – liessen ihr Wissen in einen zukunftsorientierten Lehrplan einfliessen, der nun die vom Volk gewünschte Vereinheitlichung der kantonalen Lehrpläne umsetzt.

Doch inzwischen lebt der Kantönligeist wieder auf, und in zahlreichen Kantonen wird die Einführung des Lehrplans 21 bekämpft, so auch im Kanton Zürich. „Zu umfangreich“, sagen die einen – und vergessen dabei, dass ein Lehrplan nie ein Gesetzbuch war, der buchstabengetreu umgesetzt wird, sondern ein Kompass, den Lehrpersonen als Wegweiser konsultieren.

„Zu kompliziert mit den neuen Kompetenzvorgaben“, wird moniert – dabei arbeitet die Berufsbildung schon lange mit Kompetenzen. Und als Bürger, der die Schule bezahlt, will ich nicht wissen, welche Inhalte die Lehrpersonen vermitteln, sondern ich will wissen, was die Schülerinnen und Schüler am Ende der Schulzeit können sollen.

„Zu undemokratisch“, kritisieren andere – doch wer möchte einen 470seitiges Fachdokument im Kantonsrat politisch zerpflücken oder gar eine Volksabstimmung darüber entscheiden lassen, wo der Kanton Zürich doch mit dem neunköpfigen Bildungsrat über ein Fachgremium verfügt, das den Lehrplan 21 kompetent und mit Augenmass an die Zürcherischen Gegebenheiten anpassen wird?

Und schliesslich das Killerargument: „Zu teuer“ seien die nötigen Anpassungen von Lehrmitteln und die Weiterbildung der Lehrpersonen an die neuen Vorgaben – dabei müsste es inzwischen allen klar sein, dass wir nur mit gut ausgebildeten und ausgerüsteten Lehrpersonen unsere Kinder fit für die Zukunft machen können.

Und es wird auch klar, dass Lehrplan-Diskussionen für den Erfolg der Volksschule nicht entscheidend sind. Denn nur wenn wir verstärkt in die Bildung investieren, werden wir es schaffen, dass auch die nächste Generation die Schweiz weiterbringt. Wie sagte schon der frühere amerikanische Präsident John F. Kennedy: „Es gibt nur eins, was auf Dauer teurer ist als Bildung: Keine Bildung.“

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