Auf den Start kommt es an

„Eine starke Kindergartenstufe ist die Basis für einen erfolgreichen Bildungsverlauf unserer Kinder“, unter dieses Motto stellte ich meine Rede als Gast an der 25 Jahre-Jubiläumsfeier des Verbandes Kindergarten Zürich.

Liebe Kindergarten-Lehrpersonen, liebe Gäste, meine Damen und Herren,

ganz herzlichen Dank Frau Fleuti und dem ganzen VKZ-Vorstand für die Einladung! Es ist für mich eine Ehre, gewissermassen an der «silbernen Hochzeit» des VKZ teilnehmen zu dürfen: Herzliche Gratulation!
Und dies als Politiker, mit deren Entscheiden Sie in den letzten 25 Jahren ja wahrlich nicht nur erfreuliche Erfahrungen gemacht haben – und das bis auf den heutigen Tag: Noch immer orientiert sich auch die kantonale Bildungspolitik angesichts der aktuellen politischen Mehrheitsverhältnisse an der alles überstrahlenden Maxime «kostenneutral». Wobei ich «kostenneutral» eher als Unwort bezeichnen würde – denn wie wollen wir immer mehr immer jüngere und immer aufwändigere Kinder mit immer gleichbleibendem Aufwand ausbilden?

Umso mehr freue ich mich über Ihre Einladung – denn nur gemeinsam mit allen Engagierten des Schulfelds werden wir die aktuellen und künftigen Herausforderungen meistern!

Vor einigen Wochen habe ich für die Zeitung «Zürcher Oberländer» einen Artikel unter dem Titel «Starke Kindergärten für die Zukunft» geschrieben, vielleicht haben einige von Ihnen den Text gelesen. Ich habe den Artikel mit dem berühmten Zitat des früheren US-Präsidenten John F. Kennedy begonnen: «Es gibt nur eins, was auf Dauer teurer ist als Bildung: Keine Bildung». Denn ich finde, dieses Zitat passt sehr gut zu den heutigen Herausforderungen in der Volksschule – und ganz besonders zu den Herausforderungen im Kindergarten: Die eintretenden Kinder werden immer jünger und immer mehr Kinder mit «besonderen Bedürfnissen» sind zu integrieren, und in den ersten Wochen ist in manchen Kindergärten trotz des vorbildlichen Einsatzes der Kindergartenlehrperson die Klassensituation prekär. Dass man gleichzeitig seit Jahren die entscheidenden Akteure in dieser herausfordernden Situation – nämlich Sie als Kindergartenlehrpersonen! – unfair behandelt, ist ein Skandal! Tiefere Lohnstufen, ein maximaler Beschäftigungsgrad von 88% mit einer ganzen Kindergartenklasse, «windige» Berechnungen, bei denen man die Pausen von Primar- und Sekundarlehrpersonen im Lehrerzimmer mit den Intensivst-Kinderbetreuungspausen der Kindergartenlehrpersonen vergleicht… Und dann ist man noch erstaunt darüber, dass der Mangel an Kindergartenlehrpersonen zunimmt und immer weniger junge Menschen diesen wichtigen und faszinierenden Beruf ergreifen. Diese Situation ist einfach unhaltbar!

Als Kantonsratsmitglieder von EVP, SP und Grünen, von denen einige auch hier sind heute Abend, sind wir daher zur Überzeugung gelangt: So kann es nicht weitergehen, wir müssen etwas unternehmen – zum Wohl unserer Kinder! Wir wollen gut geführte Kindergärten, und wir sind darauf angewiesen, dass wir auch weiterhin auf engagierte Kindergartenlehrpersonen zählen können. Deshalb haben wir im Kantonsrat drei Vorstösse eingereicht – für die entlastende Senkung der Klassengrösse, für personelle Unterstützung durch Klassenassistenzen im ersten Kindergartensemester und für faire Anstellungsbedingungen von 100%, die den intensiven Non-Stop-Einsatz der Kindergartenlehrpersonen honorieren sollen.

Nun bin ich gespannt, wie es weitergeht mit den Vorstössen. In der momentanen «Spar-Mehrheit» in Regierung und Parlament werden Massnahmen, die zu Mehrkosten führen, kategorisch abgelehnt. Ein Beispiel: Eine faire 100%-Anstellung der Kindergartenlehrpersonen würde rund 25 Mio Franken kosten – davon müsste der Kanton 7,2 Mio bezahlen. Doch was sind schon 7,2 Mio Franken bei einem Kantonsbudget von über 15 Milliarden – wenn wir damit starke Kindergärten für die Zukunft erhalten?

Ich hoffe fest, dass sich noch viele unserer Kantonsratskolleginnen und -kollegen mit der Situation des Kindergartens auseinandersetzen und am Ende unsere Vorstösse unterstützen. Weil sie merken: Wir können nicht immer mehr Kinder mit immer herausfordernden Bedürfnissen schulen, ohne dass unsere Ressourcen verstärkt werden. Brigitte Fleuti hat mich im Interview Ihrer Verbandszeitschrift gefragt, welche Möglichkeiten es für Lehrpersonen gibt, sich bildungspolitisch einzubringen. Aus meiner eigenen Erfahrung als Schulpräsident kann ich nur sagen: Treten Sie mit den Kantonsratsmitgliedern Ihrer Region in Kontakt, schildern Sie ihnen Ihre Situation, laden Sie sie in Ihre Kindergärten ein und vermitteln Sie ihnen so einen Einblick in Ihre tägliche Schulsituation. Glauben Sie mir: Wenn ein Kantonsratsmitglied mal einen Morgen lang auf einem kleinen Kindergartenstühlchen gesessen hat und auf Augenhöhe mit den Kindern den intensiven Kindergartenbetrieb live erlebt hat, wird er/sie beeindruckt und fasziniert von Ihrer Arbeit sein, aber auch nie mehr davon reden, dass Auffangzeit und Pause nicht zur Arbeitszeit zählen würden!

Und wenn alles nichts nützt, dann sage ich nur: 24. März 2019. Am 24. März 2019 haben wir alle die Chance zu bestimmen, wer in unserem Kanton für die nächsten vier Jahr die Bildungspolitik bestimmt. Das wird entscheidend sein, denn in der Schweiz haben in Sachen Bildung vor allem die Kantone das Sagen – sie legen die Klassengrössen fest und die Löhne; die Schulgemeinden vor Ort haben kaum Spielraum. Ich sage Ihnen an dieser Stelle nicht, welche Parteiliste Sie am 24.3.2019 einwerfen sollen. Aber ich sage Ihnen: Wählen Sie Politikerinnen und Politiker in den Kantons- und Regierungsrat, die bereit sind, für die nächste Generation auch etwas mehr Geld in die Bildung zu investieren! Bleiben Sie dran, liebe VKZ-Mitglieder, liebe VKZ-Vorstandsmitglieder, mit Ihrem so wichtigen Engagement in der Sensibilisierung der Politikerinnen und Politiker – auch während der nächsten 25 Jahre bis zur «goldenen Hochzeit» des VKZ. Und vor allem bleiben Sie dran, Sie alle Tag für Tag in den Kindergartenzimmern bei der Ausbildung unserer nächsten Generation!

Ich mag es nicht mehr hören, das Gejammer in Politikerkreisen über die steigenden Bildungsausgaben. Denn in unseren Schulen bilden wir die nächste Generation aus. Diese Generation bezahlt nicht nur einmal unsere AHV (das als Argument für unsere Finanz- und Gesundheitspolitiker), sondern sie wird vor allem in einigen Jahren von uns die Verantwortung übernehmen, die kommenden Herausforderungen anpacken und unser Land in die Zukunft führen.

Gibt es einen besseren Beruf, als mitzuhelfen bei diesem Zukunftsprojekt? Ich möchte Ihnen daher am Ende meines Grusswortes ganz einfach danken: Danke für Ihre tägliche Arbeit im Kindergarten! Danke für Ihr Engagement für eine starke Kindergartenstufe als Basis für einen erfolgreichen Bildungsverlauf unserer Kinder! Danke für Ihren Einsatz für die nächste Generation und die Zukunft unsere Landes!

Zürich, 26.9.2018, Hanspeter Hugentobler, Kantonsrat EVP

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